Kein Wandel in Pjöngjang


Dennis Rodman fand klare Worte: „Du hast einen Freund fürs Leben“, schwor der ehemalige Basketballstar Nordkoreas Kim Jong-un bei seinem Besuch vor zwei Wochen. War das Treffen schon skurril genug, machte bald darauf die Mär von der Basketball-Diplomatie die Runde: Ein bisschen Sport – und schon würden die USA und das Regime in Pjöngjang den Atomstreit mit Gesprächen lösen. Ganz wie in den 70er Jahren, als sich die Washington und Peking mit Tischtennis näher kamen (Ping-Pong-Diplomatie).

Es ist eine schöne Idee der Völkerverständigung. Nur dazu wird es kaum kommen. Denn Basketball, Funparks und Disney-Spektakel unter Kim Jong-un täuschen nicht darüber hinweg: Die Sŏn’gun-Politik seines Vaters ist alles andere als tot. Kim Jong-il hat diese „Armee zuerst“-Politik in den 90er Jahren erlassen und stärkte damit den Einfluss des Militärs.

Zwar hält der Führer in Nordkorea formal stets alle Macht in Händen. Doch ist auch er auf einen kleinen Kreis an Beratern angewiesen. Hatte Staatsgründer Kim Il-sung das Machtzentrum noch in die Partei der Arbeit Koreas gelegt, änderte sich dies nach seinem Tod 1994: Anstelle der Partei baute Kim Jong-il die Nationale Verteidigungskommission zur mächtigsten Institution aus. Deren Stellung – und damit auch den Einfluss – untermauerte die Verfassung von 2009.1

Diesem System muss sich auch der junge Kim Jong-un fügen. Entscheiden dürfte er umso weniger alleine, da er sich nicht über Jahre Respekt im Militär verdienen konnte. Stattdessen tauchte er in der Öffentlichkeit erst zwei Jahre vor dem Tod seines Vaters als Nachfolger auf. Er muss um die Gunst der Militärelite buhlen, um Ansehen im inneren Machtzirkel kämpfen. Und er ist deshalb anfällig für die Forderungen des Militärs – etwa nach Atom- und Raketentests.

Zwar vermutete mancher Beobachter nach einem Jahr seiner Herrschaft, Kim Jong-un könnte die Sŏn’gun-Politik seines Vaters gestoppt und das Volk an erste Stelle gerückt haben. Doch diese Hoffnungen wurden spätestens mit dem Atomtest im Februar 2013 jäh enttäuscht. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass auch der junge Kim seine Macht weiter aus dem Militär speisen wird – und muss. Zu tief ist das System verwurzelt, als dass ein plötzlicher Wandel wahrscheinlich würde. Zu groß scheint der Einfluss des Militärs, als dass Kim Jong-un ihn einfach reduzieren könnte, ohne dabei selbst an Macht zu verlieren.

Stattdessen wird ein nukleares Nordkorea wohl noch länger Schlagzeilen liefern. Was sich mit dem dritten Test änderte, war einzig die Bereitschaft Pjöngjangs, über die Bombe zu verhandeln: Sie ist gänzlich verschwunden.  Oder, um es mit den Worten des Regimes nach dem Tod von Kim Jong-il Ende 2011 zu sagen: „Erwartet keinen Wandel.“

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  1. Zook, Darren C., Reforming North Korea: Law, Politics, and the Market Economy, in: Stanford Journal of International Law, Vol. 48, No. 1, Winter 2012, S. 145 ff.