Iron Dome: Eine effektive Verteidigung?


US-Präsident Barack Obama war gerade erst in Tel Aviv gelandet, da führten ihm seine Gastgeber schon die neueste Errungenschaft des israelischen Militärs vor: Das Raketenabwehrsystem Iron Dome. Stolze 84 Prozent der mehr als 1.400 Raketen aus dem Gazastreifen soll die „Eisenkuppel“ bei den jüngsten Angriffen auf Israel im November 2012 abgefangen haben, so die offiziellen Zahlen der Israelischen Streitkräften (Israeli Defense Forces, IDF). Grund genug für Obama also den „amazing job“ der Soldaten zu loben – zumal die US-Regierung die Raketenabwehr des staatlichen Rüstungsunternehmen Rafael aus Israel mitfinanzierte.

Doch inmitten dieser Erfolgsgeschichte, beginnen Experten an der Abschuss-Quote des Iron Dome zu zweifeln: Anstatt der 84 Prozent könnten es nur 5-10 Prozent sein, glaubt Professor Theodore Postol vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Videos von vermeintlichen Abschüssen ausgewertet hat. Und Mordechai Shefer, früher selbst Raketenwissenschaftler bei Rafael, vermutet sogar keinen einzigen Abschuss (0 Prozent).

Postol hatte schon einmal ähnliche Zahlen infrage gestellt: Während des Zweiten Golfkrieges lancierte die US-Armee Erfolgsquoten von 80 bis 96 Prozent. Das MIT aber blieb skeptisch, analysierte Videos – und behielt am Ende recht: Eine Untersuchung der Regierung bewies 1992, dass die Patriots nicht mehr als ein paar Raketen abgeschossen hatten. Ein anderer Bericht kam auf 9 Prozent.

Sollte Postol auch dieses Mal richtig liegen, wäre Iron Dome kein „Game Changer“ mehr – sondern wertlos. Denn die Raketenabwehr soll Israel schützen; gegen Angriffe der Hamas aus dem Gazastreifen und gegen die Hisbollah aus dem Libanon. Würde Iron Dome jedoch kaum Raketen zerstören, hätte Israel die rund $50 Millionen für jedes der Systeme umsonst investiert. Und das, während die Hamas gefährlicher wird und ihre Raketen bei den jüngsten Angriffen erstmals bis nach Jerusalem schoss.

Ein Iron Dome mit spärlicher Trefferzahl aber würde auch Israels Fähigkeiten zum Angriff schwächen. Genauer: Zum Angriff auf die Nuklearanlagen des Iran. Denn in diesem Fall müsste Israel mit Vergeltung der Hisbollah aus dem Libanon rechnen, die mit dem Regime in Teheran gemeinsame Sache macht. Je schwächer die eigene Verteidigung, desto unwahrscheinlicher wird auch ein israelischer Alleingang gegen den Iran. Zur groß wäre das Risiko für die Bevölkerung.

Dass die IDF kaum die offiziellen Abschusszahlen nach unten korrigieren werden, hat jedoch noch einen anderen Grund: Israel könnte nicht nur an Verteidigung einbüßen, sondern auch weniger glaubhaft abschrecken. Bei einer intakten Raketenabwehr würden Feinde zwei Mal überlegen, ob sich ein Angriff lohnt, so die Theorie. In der Praxis ist dieses Argument jedoch ohnehin fragwürdig. Denn ein Hamas-Geschoss kostet weniger als $1.000, eine Abfangrakete von Iron Dome hingegen rund $50.000. Allein für den Einsatz im November 2012 dürfte Israel zwischen $25 und $30 Millionen gezahlt haben.

Als die IDF damals die ersten Zahlen veröffentlichten, spekulierten einige Medien schon über mögliche Käufer für das Abwehrsystem. Südkorea und auch die USA seien daran interessiert – lukrative Geschäfte für Rafael. Dafür aber sollte Iron Dome zumindest ein paar Raketen zerstören.