Wie Assad dank Kerry Zeit gewinnt


Fast beiläufig lies der US-Außenminister die Äußerung fallen: Der syrische Präsident Baschar al-Assad könne „in der nächsten Woche alle seine chemischen Waffen an die internationale Gemeinschaft übergeben. Alles ohne Verzögerung übergeben und eine genaue Aufstellung ermöglichen“, sagte John Kerry. Gleichzeitig schränkte er ein, Assad werde sich ohnehin nicht bewegen.

Doch mit den vermeintlich harmlosen Sätzen verschafft Kerry seinem Präsident vor allem: Zeit, um einen möglichen Angriff der USA auf Syrien hinauszuzögern. Oder – so die Hoffnung – ihn doch noch abzuwenden.

Ein Angriff, den in den kriegsmüden USA niemand will, der Amerika tiefer in die Schulden stürzen, seinem Ansehen in der arabischen Welt weiter schaden würde – doch dem Obama aufgrund seiner voreilig gezogenen „roten Linie“ nicht mehr entkommen kann: Wer rhetorisch mit Säbeln rasselt, muss liefern, um nicht noch weiter Glaubwürdigkeit zu verspielen.

Es überrascht denn auch kaum, dass Syrien positiv auf den Vorschlag Russlands reagiert, seine Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen. Es passt dabei ins Bild, dass dieser Vorschlag ausgerechnet von einem der letzten Unterstützer Assads und Veto-Spieler im Sicherheitsrat der Uno kommt. Denn auf diese Weise gewinnt auch das syrische Regime erst einmal Zeit, bis tatsächlich Raketen fliegen.

Dass die Chance auf einen solchen Schritt nach zwei Jahren Bürgerkrieg und zehntausenden Toten de facto gegen Null gehen – geschenkt. Der Vorschlag von Kerry klingt da gar wie blanker Hohn. Ob auf die hehren Vorschläge auch Taten folgen, liegt in den Händen der Diplomaten. Deren Erfolg aber blieb in dem Bürgerkrieg bisher mehr als überschaubar. Und so wird erst einmal weiter gestorben in Syrien.