Iran und Uran: Ein Blick auf die Technik


Zwei Wochenenden, zwei Mal große Polit-Prominenz: Nach und nach trudelten die Außenminister der P5+1 (USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) in der Nacht zum Samstag in Genf ein, um dort mit Vertretern des Iran über dessen Atomprogramm zu verhandeln. Schon vor zwei Wochen hatten sie sich in der Schweiz getroffen, tagelang diskutiert, gefeilscht – und sich am Ende doch nicht einigen zu können.

Nun aber sollte die „realistische Chance“, der „finale Moment“ gekommen sein: Die endültige Lösung, sie sei so nah wie nie. Doch schon am Nachmittag dämpfte der britische Außenminister William Hague die Hoffnungen, die Gesprächen gestalteten sich zäher als gedacht. Es gehe um Kleinigkeiten in einem möglichen Abkommen – wieder einmal. Es sind dabei ausschließlich die technischen Details des Deals, um die beide Seite kämpfen.

Reaktor in Arak und Uran-Anreicherung als Streitpunkte

Einerseits ist da der Schwerwasserreaktor in Arak, an dem Iran seit mehr als einem Jahrzehnt baut. Einmal in Betrieb, könnte Teheran mit dem Reaktor Plutonium gewinnen – neben Uran eine der beiden Quellen für Nuklearwaffen. Der Westen möchte den Bau deshalb aufhalten. Außerdem geht es in den Gesprächen um Uran, genauer: Um die Anreicherung auf 20 Prozent, die gestoppt oder zumindest ausgesetzt werden soll. Und um den Vorrat von etwa 186 Kilogramm, den Iran bereits auf 20 Prozent angereichert hat.

Uran, wie es in zunächst aus Minen gewonnen wird, besteht zu rund 99,7 Prozent aus U-238 und nur zu etwa 0,3 Prozent aus dem spaltbaren Isotop U-235. Für eine Atombombe aber wird genau dieses U-235 in hoher Konzentration benötigt. Um es zu bekommen, muss das Uran angereichert werden – ein Begriff, der stets fällt, wenn über das Atomprogramm verhandelt wird.

Und das aus gutem Grund: Denn ab einem Anteil von 20 Prozent gilt das Uran als hochangereichert; waffenfähig ist es ab 85-90 Prozent. Dabei ist insbesondere der Weg von 0,3 auf 20 Prozent eine Herausforderung für Wissenschaftler und Ingenieure. Sind aber erst einmal 20 Prozent geschafft, gehen die verbleibenden 70 Prozent wesentlich schneller. Aus diesem Grund drängt der Westen auch darauf, dass der Iran seine 20-Prozent-Vorrat aufgeben solle: Es wäre ein deutlicher Stopp beim Griff nach der Bombe.

Was tun mit Irans Uran? Drei Optionen

Für diesen Stopp gäbe es mehrere Optionen: Zum einen könnte Teheran seinen 20-Prozent-Vorrat wieder mit jenem Uran vermengen, das geringer angereichert ist und es somit „verdünnen“. Zweitens könnte Iran aus dem Vorrat Brennstäbe produzieren und würde auf diese Weise beweisen, dass es sein Uran tatsächlich nur zivil nutzt. Und drittens wäre es möglich, den Vorrat in Uranoxid-Pulver umzuwandeln. Derzeit liegt dieser als Uranhexafluorid (UF6) vor – bei mehr 56 Grad Celsius ein Gas anstatt eines Feststoffs. Mit diesem Gemisch aus Uran und Fluor werden bei der Anreicherung die Gaszentrifugen bestückt, von denen Iran mehr als 19.000 besitzt.

Uranoxid als Pulver hingegen könnte Teheran ebensowenig wie das feste Uranerz in den Zentrifugen nutzen. Saudi Arabien und Israel befürchten jedoch, dass ein Oxid später wieder leicht in Gas umgewandelt werden könnte. Vertreter der P5+1 auf der anderen Seite bezweifeln, dass Iran die technischen Fähigkeiten dafür besitzt.

Tatsächlich aber dürfte ein solcher Vorgang kein Problem sein. Denn Iran hat reichlich Erfahrung im Umgang mit Uranoxid – wie jedes Land, das Uran anreichert: Für das gewünschte Uranhexafluorid (UF6) muss in einem Zwischenschritt zunächst das abgebaute Uranerz verarbeitet werden. Dabei entsteht Triuranoctoxid (U3O8), besser bekannt als „Yellowcake“. Anschließend wird dieses U3O8 zum gasförmigen UF6 konvertiert, um es in die Zentrifugen einzuspeisen. Wer einmal diese Hürde genommen hat, kann es jederzeit wieder tun – aus den Begriffen „konvertieren“ oder „rekonvertieren“ folgt technisch kein Unterschied.

Diese Möglichkeiten bedeuten freilich nicht, dass ein Abkommen mit dem Iran plötzlich wertlos wäre. Im Gegenteil: Nachdem sich jahrelang in unzähligen Gesprächen gar nichts bewegte, wäre eine Einigung mehr als beachtlich. Die P5+1 wollen zuvorderst Iran die Mittel nehmen, aus einzelnen Teilen innerhalb kurzer Zeit eine Bombe bauen zu können. Teheran hingegen pocht allzeit auf sein Recht, seine Atomanlagen im vollen Umfang zivil zu nutzen. Beide Position schließen sich nicht aus – ein Ende im Atomstreit ist möglich.

(Foto: Uranium Energy Corp [NYSE MKT: UEC] via Flickr unter CC BY-NC-ND Lizenz)